Samstag, 24. November 2012



So

So könnte man es machen, denkt er.
„So könnte man es machen“, murmelt er gerade so laut, dass sie es hören muss.
„Was hast du gesagt?“.
„Nichts.“
„Doch, du hast gesagt: „So könnte man es machen“.“
„Aha.“
„Aha?“
„Hast du es also doch verstanden?“
„Nein. Aber ich habe so etwas gehört.“
„Egal“.
Er geht in die Küche. Bei so etwas geht er immer in die Küche, denkt sie, macht den Kühlschrank auf, nimmt eine Flasche Bier, öffnet sie. Wie immer, denkt sie.
Er nimmt eine Flasche Bier aus dem Kühlschrank.
„So könnte man es machen“, murmelt er und öffnet die Flasche. Nach dem ersten Schluck schüttelt er den Kopf. Er lässt sich aufs Sofa fallen.
Sie rückt etwas zur Seite, als er sich direkt neben ihr aufs Sofa fallen lässt. Sie erwartet sein Seufzen.
Er seufzt. Und nimmt einen weiteren Schluck aus der Flasche.

Freitag, 16. November 2012

Das Paket

Es ist früh am Morgen. Zu früh. Um diese Zeit schlafe ich noch. Und deshalb bin ich im Pyjama, als der Postbote mir das kleine Paket übergibt. Es hat die Maße einer Schuhschachtel.
Den Absender kenne ich nicht und bestellt habe ich auch nichts in den letzten Tagen. Aber Name und Adresse auf dem Paket stimmen. Der Postbote schaut mich an. Ich schaue ihn an.
„Nun?“, fragt er.
„Ich weiß nicht“, sage ich.
„Bitte hier unterschreiben.“ Ich unterschreibe. Er geht und ich stehe da. Mit dem Paket.
Zuerst lege ich es einmal auf den Küchentisch und koche mir Kaffee. Ich zähle die Löffel Pulver und denke dabei darüber nach, ob ich nicht vielleicht doch etwas bestellt habe. Nein! Mir fällt absolut nichts ein. Das war ein Löffel zu viel, oder zwei? Egal, ich stelle die Maschine an. Die ersten Tropfen, ich freue mich auf das braune Gebräu und nehme mir das Paket wieder zur Brust. Es ist leicht. Kein Absender drauf. Nur mein Name. Meine Adresse in sauberer Schrift. Frauen- oder Männerhandschrift? Ich weiß es nicht. Kann man das unterscheiden? Ich schüttle, höre aber nichts. Seltsamer Morgen.
Da klingelt das Telefon.
„Hallo?“, sage ich. Auf der anderen Seite … Stille. Dann tut-tut-tut … aufgelegt. Erst ein Paket ohne Absender, jetzt ein Anruf ohne Anrufer. Vielleicht schlafe ich noch und träume? Wo ist der Ausgang aus diesem Traum? Das Telefon klingelt wieder.
„Ja?“, sage ich. Stille und dann tut-tut-tut.
Die Kaffeemaschine ist fertig und faucht noch ein letztes Mal. Erst mal ein Schluck Kaffee. Es waren wohl doch zwei Löffel zu viel. Schadet aber nicht, sage ich mir. Was bewirkt eigentlich eine Tasse Kaffee im Traum, geht mir durch den Kopf.
Ich schalte das Küchenradio ein. Acht Uhr. Die Nachrichten. Acht Uhr! Seltsam, so früh kommt der Postbote doch sonst nie? Der Nachrichtensprecher wird durch eine Störung im Radio unterbrochen. Ich spiele an der Antenne, finde aber den Sender nicht wieder und schalte das Radio aus.
Es ist still in der Wohnung. Ganz still. Kein Radio. Die Kaffeemaschine faucht nicht mehr. Kein Telefon. Ich stehe da mit dem Paket in der Hand. Ich schüttle: nichts.
Und in dieser Stille und mit diesem Nichts in der Hand warte ich nur noch darauf, dass der Postbote an der Tür klingelt, um mir ein Paket zu bringen …

Samstag, 27. Oktober 2012



SansiBar

Seine Welt ist die SansiBar. Sie liegt zehntausend Kilometer entfernt auf der  kleinen Insel Bolo  im südchinesischen Meer. Weißer Strand. Palmen. Wendy mixt dort die Cocktails. Der späte Nachmittag ist die beste Zeit, ihren Mai Tai zu genießen. Dazu eine leichte Brise vom Meer.

Er sitzt in der S-Bahn nach Hause. Es regnet schon den ganzen Tag. Nasskalter November. Und er niest.

Bis zur  SansiBar sind es nur noch wenige Tage. Er schließt die Augen. Wendy lächelt. Er hat einen Sonnenbrand auf der Nase. Dann steigt er aus der S-Bahn. An der Ampel bespritzt ihn ein vorbeifahrender BMW. Wendy lacht. Neben ihm flucht jemand.

Er ist nur auf der Durchreise. Von der SansiBar zur SansiBar.

Samstag, 20. Oktober 2012



„Wo ist meine Brille?“
Sie schaut ihn an. Sieht die Brille auf seiner Nase.
„Du hast sie doch auf!“, hat sie früher gesagt. Und beide haben gelacht.
Heute sagt sie nichts mehr.

Donnerstag, 11. Oktober 2012


09.10.2012 22:16, Davao (Philippinen) am Tag vor der Abreise


Alles geht langsamer voran. Vielleicht macht das die Hitze in diesem Land. Es gibt hundert Gründe dafür, und ein Filipino kann dir bei Tanduay- Rum auf Eis sogar tausend Gründe nennen.

Doch wenn du hier ankommst und noch das Tempo von zuhause im Blut hast, dann schwitzt du innerhalb eines Tages ein gutes halbes Dutzend T-Shirts durch. Alles braucht seine Zeit, und nur ganz allmählich lernst du, dich auf das Land, die Leute und den anderen Takt einzulassen. Anfangs ist dir dieses Tempo unheimlich. Du rümpfst darüber deine deutsche Nase. Aber wenn du  Glück hast und lange genug hier sein kannst, dann kommt irgendwann die Einsicht: du musst zurückschalten, dich langsamer bewegen, dich weniger aufregen und besonders in Geduld üben. Alles andere schadet nur dem Blutdruck, der hier in der Gewöhnungsphase schon arg genug strapaziert wird.

Kauf dir ein Paar Sinelas (= billige Schlappen) auf dem Palengke ( traditioneller philippinischer Markt, der vor allem von Einheimischen besucht wird und einen eigenen Bericht wert ist) und lerne damit zu schlurfen wie die Filipinos und Filipinas. Dann näherst du dich dem angemessenen Tempo allmählich an.

Plötzlich beginnst du, das Land zu fühlen, dich hier aufzulösen. Keine Angst davor, bald erkennst du, wie frei du atmen kannst. Gedanken und Sorgen werden ihre Kraft verlieren. Sie lösen sich sogar irgendwann auf in diesem exotischen Nichts.

Und du schwitzt nur noch drei bis vier  T-Shirts pro Tag durch.

tage gleiten hin
wie die auslegerboote
auf dem glatten meer


Samstag, 29. September 2012

Boracay 2012 –
unser Mond voll und
ganz unbeachtet


Ein etwas melancholischer Gruß aus Südostasien. ;-)

LG
Bernd

Donnerstag, 2. August 2012